S&P 500: Deutsche Bank zeichnet mögliches Szenario für 2022 – Index zielt auf die Spitze eines jahrzehntelangen Trendkanals

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In den letzten Wochen hat die Stimmung an den Finanzmärkten aufgrund mehrerer Problemherde zwar einen deutlichen Dämpfer erhalten, dennoch sind die großen Indizes in der Nähe ihrer Rekordhochs und blicken in den letzten 1,5 Jahren seit dem Corona-Crash beeindruckenden Performances hinterher.

S&P 500: Deutsche Bank zeichnet mögliches Szenario für 2022 – Index zielt auf die Spitze eines jahrzehntelangen Trendkanals

Für den amerikanischen S&P 500, ein weltweit beachteter Index mit den 500 größten amerikanischen Unternehmen, haben Analysten des Investmentbanking-Bereichs der Deutschen Bank nun jedoch einen bald erreichten Bewertungshöhepunkt ins Auge gefasst. Die historisch hohe Bewertung des Index bringt diesen laut einer neuen Analyse der Bank, die von dem Branchenportal Marketwatch aufgegriffen wird, in die Nähe der Obergrenze eines Trendkanals, in dem der Index bereits seit mehr als acht Jahrzehnten verläuft - genauer seit der großen Depression der 1930er Jahre.

Der US-Aktienindex sei „nahezu an der Spitze seines 85-jährigen Trendkanals“, schrieben die Strategen der Bank in einem Research-Bericht vom 10. Dezember. „Er war nur Ende der 1930er und Ende der 1990er Jahre höher, als er darüber stieg“. Dennoch gehen die Analysten davon aus, dass der Index auch 2022 weiter steigen wird, und fassen ein Kursziel von über 5000 Punkten ins Auge. Weiterer Gewinnwachstum der Unternehmen und vor allem Aktienrückkäufe dürften den Index besonders im ersten Halbjahr des kommenden Jahres auf Kurs halten.

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Analysten der separat agierenden Vermögensverwaltung der Deutschen Bank geben einen ähnlichen Ausblick für die Entwicklung des Index, finden jedoch auch mahnende Worte: „Da sich die Gewinne bereits auf ein Niveau über dem Trend erholt haben, der oft Zyklushöchststände markiert, und die Aktienbewertungen historisch hoch sind, scheint der Ausblick für Aktien einem größeren Maß an Unsicherheit und einer größeren Bandbreite möglicher Ergebnisse als üblich ausgesetzt zu sein“, warnen die Strategen.

Ein besonderes Risiko speziell für den S&P 500 ist die hohe Gewichtung der Tech-Giganten. Im S&P machen derzeit nur 6 Unternehmen über 25 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des Index aus – und das sind Amazon, Apple, Tesla, Meta (ehm. Facebook), Alphabet und Microsoft. Zudem haben diese 6 Werte ein durchschnittliches KGV von 62, während die restlichen 494 im Index enthaltenen Werte auf ein durchschnittliches KGV von 29 kommen, also nicht einmal halb so hoch.

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Eine am Markt von einigen Analysten befürchtete neue Blasenbildung vor allem im Bereich Tech und disruptive Innovation würde also bei einem Platzen besonderen Schaden für die Gesamtperformance des Index anrichten.

Letzten Endes dürfte vor allem die weitere Richtung der Notenbanken entscheidend sein, wie die Aktienmärkte im nächsten Jahr performen werden. Die Märkte blicken mit Spannung auf die am Mittwoch anstehende Entscheidung der US-Notenbank, ob die Straffung der Geldpolitik noch beschleunigt werden soll. Sollte dies geschehen, könnte bereits im März 2022 Schluss sein mit den Geldspritzen. Auch stehen bis Ende 2023 vier bis sechs Zinserhöhungen im Raum. Gegen die immer weiter ausufernde Inflation dürfte ein solches Vorgehen wirkungsvoll sein, doch ein Abebben der künstlichen Liquidität würde auch den Geldfluss in die Aktienmärkte stoppen, der indirekt durch die Käufe der Notenbank erzeugt wird.

Sollten zudem die Zinsen erhöht werden, wird das den Unternehmen, die durch die Corona-Krise gebeutelt sind, die Aufnahme von neuen Krediten erschweren und könnte die wirtschaftliche Situation in vielen Sektoren wieder deutlich verschlechtern. Die Notenbanken stecken daher in einer besonderen Zwickmühle. Sollte das Tapering durchgezogen werden, dürften vor allem Unternehmensbereiche profitieren, die unabdinglich für die Instandhaltung der Wirtschaft sind, also vor allem Energieversorger, Lebensmittel bzw. generell Value-Titel. Sollte die US-Notenbank anhand neuer Entwicklungen in der Corona-Pandemie doch von einer beschleunigten Straffung absehen, dürfte der Gesamtmarkt jedoch weiterhin nach oben klettern. Eine weiter steigende Inflation dürfte die Kurssteigerungen noch verstärken, auch wenn das auf fundamentaler Ebene keinen wirklichen Wertzuwachs bedeuten würde, da die in Dollar gemessene Kaufkraft sinkt. Seitens der EZB ist nicht mit einer Straffung zu rechnen, da die Lage in Europa noch einmal komplizierter ist und vor allem die besonders gebeutelten Mittelmeerstaaten aufgrund ihrer extrem hohen Verschuldung weiterhin auf eine lockere Geldpolitik angewiesen sind.

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onvista-Redaktion

Titelfoto: Who is Danny / Shutterstock.com

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